Sammeln, beobachten, erfahren

„Wir lassen die Schüler losrennen und gucken, was sie finden, und gehen dann damit um. Und keiner sagt: Nö, das war wohl nichts. Wir versuchen also, den Prozess offenzuhalten, auch ergebnisoffen – mit allen Möglichkeiten des Scheiterns und Veränderns.“
Lehrer an einer Gesamtschule, Frankfurt a. M.

Forschen bedeutet, sich einer Fragestellung aus unterschiedlichen Richtungen anzunähern, um einer Sache auf den Grund zu gehen Die Wege zu diesem "Grund" sind immer individuell. Sie hängen sowohl vom Forschenden selbst ab, als auch vom Kontext, in dem das forschende Lernen stattfindet. Das Forschen kann – aber muss nicht! – diese Schritte umfassen:

  • Vermutungen aufstellen,
  • Versuche durchführen,
  • Beobachten und Beobachtungen dokumentieren,
  • im Internet oder in der Bibliothek recherchieren,
  • Experten befragen,
  • Materialien sammeln,
  • fotografieren,
  • und vieles mehr…

Während im naturwissenschaftlichen Bereich das Experimentieren eine große Rolle spielt, steht in anderen Forschungsfeldern das Sammeln von Materialien und Erfahrungen im Mittelpunkt.

Ein Beispiel aus dem Bereich Naturwissenschaften

Grundschülerinnen und -schüler gehen der Frage nach, welche Farbe Wasser hat. Zunächst schreiben sie ihre Vermutungen in einem Forscherheft auf. Flemming glaubt, dass die Farbe des Wassers von der Temperatur abhängt; Lotte denkt, dass es auf die Menge des Wassers und auf andere „Zutaten“ wie Salz, Kalk und Algen ankommt. Alle Kinder aus der Klasse tauschen ihre Plätze und lesen die Forscherbücher der Mitschüler. Unter den Text schreiben sie eine persönliche Rückmeldung und ihren Namen. So erhält jedes Kind viele neue Anregungen und kann danach mit dem Experimentieren beginnen. Den Versuchsaufbau und die Durchführung übernehmen die jungen Forscherinnen und Forscher ganz selbstständig. Die Vorgehensweise, Beobachtungen und Ergebnisse notieren sie im Forscherbuch.

Für alle Forschungsbereiche und Themen kann ein Forscherbuch bzw. Lerntagebuch ein wichtiger Begleiter sein.

Unter die Lupe genommen: Das Forscherbuch

Wozu dient das Forscherbuch?
Das Forscherbuch begleitet die Lernenden bei ihrem Forschungsprozess. Anhand der Aufzeichnungen lassen sich Vorgehensweisen, Zwischenergebnisse, Erkenntnisprozesse oder auch Emotionen nachvollziehen und reflektieren. Die Wege und Irrwege des Forschens werden sichtbar – je nach Absprache auch für die Pädagoginnen und Pädagogen.

Wie benutzt man das Forscherbuch?
In einem Heft oder Buch sammeln die Kinder oder Jugendlichen ihre Gedanken, Ideen, Erfahrungen und Beobachtungen. Im Forscherbuch ist Platz für Skizzen, Mindmaps, Fotos, Collagen, Fundstücke und vieles mehr. Inwiefern es bereits vorstrukturiert sein sollte, hängt vom Alter und von den Vorerfahrungen der Kinder und Jugendlichen ab. Die Inhalte werden regelmäßig besprochen und reflektiert. Art, Umfang und Zeitpunkt der Einsicht durch andere sollten vorab vereinbart werden. Das Buch nehmen die Lernenden zu allen Forschungsaktivitäten mit. Es kann auch Teil einer Ausstellung oder Aufführung sein.

Was braucht man dafür?
Ein Heft und einen Stift sowie den Mut zum Fragen und Suchen.

 

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