Forschendes Lernen in Schülerlaboren

Martina Parrisius und Dörthe Krause von TheoPrax – das dem Fraunhofer Institut für Chemische Technologie angegliedert ist – erklären im Gespräch, wie Jugendliche von der Arbeit in Schülerlaboren und der Methode des forschenden Lernens profitieren.

 

Inwiefern verfolgen Sie in Ihrer Arbeit den Ansatz des forschenden Lernens?

Schülerinnen und Schüler erhalten von Unternehmen bzw. Forschungsinstitutionen „Schubladenthemen“, also Themen, die für diese Firmen von Interesse sind, aber keine Tagespriorität besitzen. Die Mädchen und Jungen erarbeiten in Teams dafür Lösungen. Das bedeutet, dass sie sich Wissen selbstständig aneignen, Fragen stellen müssen, Ideen entwickeln, diese bewerten und dann umsetzen. Dazu müssen sie Versuche machen, etwas ausprobieren, also im direkten Sinn forschen!

TheoPrax vermittelte im Rahmen des Programms Lab2Venture den Kontakt mit externen Auftraggebern wie Unternehmen, Kommunen und Forschungseinrichtungen an Schülerlabore. Schülerinnen und Schüler forschten somit im Rahmen eines konkreten Auftrags. Was ist aus Ihrer Sicht der Mehrwert einer solchen „Auftragsforschung“ für die Jugendlichen?

Zum einen werden die Kinder und Jugendlichen tatsächlich ernst genommen – die Motivation zum eigenständigen, handlungs- und problemorientierten Lernen wächst enorm. Kompetenzen in allen vier Kompetenzbereichen werden geschult (fachlich, methodisch, sozial und selbst). Ein weiterer Mehrwert sind die Einblicke in die Arbeitswelt durch die Themen aus der „Berufswelt“ , das Kennenlernen von dem für die Zusammenarbeit im Projekt nötigen Projektmanagement, dem Üben von Kommunikation, aber auch dass die Schülerinnen und Schüler selbst teilhaben an Entwicklungen und Lösungen zu Problemen, und somit eine ganz andere Verantwortlichkeit erhalten, als das in einem Schulunterricht machbar ist.

Welche Faktoren tragen dazu bei, dass die Kooperation zwischen Schülerlabor und Auftraggeber gelingt und die Jugendlichen ihr Projekt erfolgreich abschließen?

Vor allem eine gute Kommunikation zwischen ALLEN Beteiligten. Das heißt, die Kommunikation im Team, mit den Betreuern im Schülerlabor, mit dem Ansprechpartner des Auftraggebers – und nicht zuletzt mit ihrer Schule. Gleichzeitig ist der Faktor „auf gleicher Augenhöhe“ aller Beteiligten ein Garant für eine erfolgreiche Arbeit.  

Welche methodischen Kenntnisse sind für die Betreuerinnen und Betreuer solcher Projekte (Lehrkräfte, wissenschaftliche Mitarbeiter etc.) wichtig?

Kreativitätstechniken zur Ideenfindung, das Erstellen von Struktur- und Zeitplänen, Anfertigen eines Angebots, Protokolle führen, Abschlussberichte schreiben, Präsentieren. Aber auch die Fähigkeit, sich selbst zurückzunehmen, die Schüler ausprobieren zu lassen, nicht der „Mehr-Wisser“ zu sein.

Welche Rückmeldungen erhalten Sie von Jugendlichen und von Erwachsenen, die an den Projekten teilnahmen?

Eine durchweg positive Erfahrung. In den Schülerlaboren konnte mit dieser neuen Form das Angebotsspektrum erweitert werden. Meistens werden Kurse mit feststehenden Inhalten/Versuchen für Schülergruppen oder ganze Schulklassen angeboten. Mit den Projektarbeiten nach der TheoPrax-Methodik konnte mit einzelnen Schülern individueller gearbeitet werden. Zudem wurden die Kontakte zu den externen Partnern (Auftraggebern) als gewinnbringend eingestuft. Für die Mädchen und Jungen waren in der Regel die enge Zusammenarbeit mit den Betreuenden im Schülerlabor auf eine wesentlich vertrautere Art und Weise und die Arbeit im Team sehr positiv. Außerdem war für sie wichtig, ganz neue Lernerfahrungen zu sammeln, was so in der Schule noch nicht möglich war. Darüber hinaus wird das eigenständige Arbeiten als Herausforderung und Bereicherung gesehen.

Wie kann der methodische Ansatz, den die Programmpartner im Rahmen von Lab2Venture mit außerschulischen Schülerlaboren realisiert haben, an Schule angeknüpft werden?

Die Projekte müssen schulisch bewertet werden können. Das ist z. B. als besondere Lernleistung möglich. Zusätzlich könnten sie in Projektseminaren, Leistungskursen, als Jahresarbeite oder im Bereich Berufsorientierung u. a. eingebunden werden. Der zeitliche Ablauf muss daher unbedingt mit den Schulen abgesprochen werden. Absprachen mit den Lehrkräften über thematische Wunschthemen, die ins Schulcurriculum passen, sind ebenfalls hilfreich für alle Seiten.

Mehr Infos zum Programm finden Sie hier auf dieser Website oder auf der Homepage des Programms: www.lab2venture.de

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